8.8.8.8.: Let’s make mein Internet schneller und Google schlauer

by Eric Kubitz on Dezember 5, 2009

in Internet

Datenkrake oder Good Guy? Ist die Google Public DNS eigentlich gut oder schlecht? Und, hey, was ist das eigentlich? Gute Frage…

Es scheint Google tatsächlich ein Anliegen zu sein, das Internet schneller zu machen. Ist ja  auch verständlich: In einem schnelleren Web werden mehr Seiten aufgerufen – darunter auch Seiten mit AdSense-Werbung. Deshalb macht die Public-DNS-Initiative (bei Spiegel Online prima erklärt) natürlich ‘ne Menge Sinn. Aber was bedeutet das alles eigentlich ganz genau?

Ihr fühlt euch überwacht? Ihr WERDET überwacht! Ich rede hier nicht von den Usern sondern von den Webseitenbetreibern. Google will so viel von euch erfahren, wie es nur geht. Klar: Die einzige wirkliche Kompetenz von Google ist die Bewertung, ob eine Webseite zu einem Suchbegriff relevant ist oder nicht. Deshalb schaut sich die Suchmaschine euren Inhalt an, guckt auf die Links die dahin zeigen, beobachtet den Server auf der die Seite liegt und wer die Domain registriert hat. Aber das ist nur die eine Seite, nämlich eure Seite.

Selbstverständlich möchte Google auch gerne wissen, was die User über eure Webseite denken. Denn da Linkkauf und Linkgeiz die Bewertung durch die Verweise im Web erschweren, müssen zunehmend andere Bewertungskriterien her. Und was liegt da näher, als die User eurer Seite zu fragen. Und dazu hat Google schon jetzt einige Mittel:

  • Die Analyse-Software Google Analytics: Google hat zwar möglicherweise kein Interesse an dem Bewegungsprofil eines einzelnen Users – aber statistische Daten, wie sich viele User auf vielen Webseiten bewegen sind sehr interessant.
  • Die Google Toolbar: Es dürfte fest stehen, dass die Bewegung von Usern, die diese Toolbar installiert haben, in die Bewertung von Webseiten einfließt.
  • Das Verhalten der User auf der Suchergebnissseite: Sucht jemand nach einem Begriff, bekommt er Ergebnisse angezeigt. Für Google wird es dann interessant, welches dieser Ergebnisse angeklickt wird und ob er nach der Ansicht der Seite sofort wieder zurück kam. Ja, ich denke, beides fließt in die Bewertung von Webseiten ein.
  • Nutzung von Google-Diensten: Wer Google Docs, die personalisierte Suchseite, das Web-Protokoll, Googlemail oder einen der anderen vielen Dienste nutzt, muss sich dazu anmelden. Und Google weiß dann, was er dann macht.

Die Suchmaschine weiß also schon eine ganze Menge über das Verhalten von Usern auf Webseiten. Aber, was die Kollegen in Moutain View sicherlich ärgert: Das sind jeweils   statistisch nicht repräsentative Zahlen. Nicht alle Seiten haben Analytics eingebaut, nicht jeder hat die Toolbar, nicht jede Seite kann oben in den Suchergebnisseiten getestet werden und nicht jeder ist über das Google Login angemeldet. Das sind schon jeweils immer viele Menschen – aber halt nicht alle. Und schon gar nicht sind sie repräsentativ…

Und da kommt diese etwas kompliziert klingende Pubilic-DNS-Idee:

Das sind ganz trockene Server, die aus der Anfrage eines Browsers nach einer Webseite (z.B. kubitz.net) eine IP-Adresse (80.67.28.104.) machen, die dann von den Maschinen im Internet gefunden werden kann. Ein solcher DNS-Server verursacht jede Menge Arbeit und ist nicht ganz billig zu betreiben. Jeder Internet-Provider (also 1&1 oder Kabel Deutschland) müssen das aber tun, weil sie ihre Websurver ja irgendwie “routen” müssen.

Zum Beispiel der DNS-Server von Kabel Deutschland ist aber wohl unterdimensioniert. Und trotz meiner echt schnellen 20 MB-Leitung kommt mir mein Internet-Zugang ziemlich langsam vor. Denn jede Webseite die ich anfordere muss erstmal im DNS-Server nachgeschlagen werden – und wenn das eine halbe Sekunde dauert, fühlt sich diese Latenzzeit eklig an. Ich habe deshalb gerade meinen DNS-Server auf die Public DNS von Google “8.8.8.8.” umgestellt – und schon fühlt sich alles schneller an.

Was hat Google davon?

Nun weiß die Suchmaschine, welche Seite ich anfordere. Unabhängig davon, ob ich eine Toolbar habe, ob ich eingeloggt bin oder ob ich auf Google suche. Ausnahmslos jeder Web-Kontakt von mir läuft über Google…

Ist das ein Datenschutzproblem? Ich denke nicht. Denn ob nun Kabel Deutschland meine DNS verwaltet oder Google – der Einzelne verschwindet in der Masse. Ich denke auch, dass die Speicherung von Einzeldaten kaum möglich ist. Aber trotzdem müssen wir das noch diskutieren. Dazu auch den o.g. Spiegel-Artikel lesen.

Also, wo ist das Problem?

Nun, werden denn nun massenweise Menschen ihre DNS-Server auf die 8.8.8.8. von Google einstellen? Sicher nicht, denn das ist gar nicht so einfach. Und somit wäre die Gruppe von Menschen die das machen, für Google wieder nicht statistisch verwendbar weil das eher technisch gut ausgebildete Menschen sind.

Deshalb denke ich, dass die Zielrichtung für die Public DNS eher die Provider sind, die nun einfach Mühe und Kosten sparen können, wenn sie ihren Kunden keine eigenen DNS-Server vorinstallieren sondern gleich die 8.8.8.8. in die Kabelmodems und DSL-Router eintragen. Google ist schnell, einfach – und kostenlos. Wer den Preiskrieg im DSL-Markt kennt, weiß wie interessant das sein kann.

Und jetzt wird die Grundmenge statistisch endlich repräsentativ: Wenn Kabel Deutschland und andere Provider ihre DNS auf Google umstellen, surfen alte, junge, schöne, häßliche Menschen aus allen Ecken Deutschlands über die Google-Server. Egal, ob sie schon mal was von dem Google-Login gehört haben. Und egal, ob sie lieber Yahoo und Bing verwenden…

Nochmal: Ist das jetzt schlimm?

Ich glaube (ganz ehrlich), dass Google dabei keine bösen Hintergedanken hat und lieber keine Datenkrake wäre: Man möchte einfach so viel wie möglich über das Web wissen um auf Suchanfragen prima antworten zu können. Und Google wird jeden Datenskandal vermeiden, das könnte das Aus für die schöne Wachstumskurve sein. Denn das Geschäft läuft nur so lange gut, so lange die Leute in Moutain View für die User die “Good Guys” sind.

Und sogar als Webseitenbetreiber mache ich mir wenig Sorgen und finde es super, wenn Google möglichst viel über unsere Seite weiß. Denn unsere Maxime ist, dass man im Web schon was bieten muss, um langfristig Erfolg zu haben – das sieht der Robot ja genauso ;-)

Und trotzdem: Ich komme mir zunehmend überwacht vor – weil ich nämlich auch überwacht werde. Das fühlt sich merkwürdig an…

Doch dazu demnächst mehr!

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{ 1 comment }

Stefan Dezember 7, 2009 um 3:40 pm

Fefe hat ein paar Gedanken hierzu: http://blog.fefe.de/?ts=b5e7d15b

Interessant ist, dass Google dann natürlich weiss, welche Seiten vermehrt abgefragt werden und kann diese dann häufiger spidern. Damit können die die Last der Robots sogar auf Dauer senken, wenn man das geschickt einsetzt.

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