Mobilfunkbranche gegen Apple

Irgendwie hat es Steve Jobs geschafft mit iTunes und iPhone einer ganzen Branche Angst einzujagen. Die FTD berichtet heute, dass sich die Handy-Dickschiffe (Nokia, Sony Ericsson, Motorola und Samsung) sowie 30 Mobilfunkbetreiber und die vier Musikverlage sowie einige unabhängige Verlage ziemlich bald den Musikdienst “Musicstation” für Musik auf dem Handy etablieren wollen. Hintergrund: Das iPhone soll auch recht einfach Musik aus iTunes abspielen können.

Das ist doch eine Lachplatte!

Und für diese Aussage habe ich gleich eine Reihe von Gründen:

  • Ersten kenne ich keine vernünftige Kooperation zwischen den Handy-Herstellern die geklappt hat. Alle Betriebssystem-, Übertragungssstandard- und sonstigen fett angekündigten Kooperationen sind im besten Fall als Bettvorleger gelandet. Im schlechteren Fall haben sie den Kunden eine Menge Geld für neue Technik abgerungen - die dann ohne Inhalte blieb.
  • Zweitens gilt das auch für alle mir bekannten Kooperationen der Musik-Oligopolisten. Das wievielte Musikportal ist das jetzt, was die planen?
  • Drittens ist Musik auf dem Handy Murks. Ein Handy ist ein Handy. Und wenn ich damit per Kopfhörer Musik hören möchte weil es auch einen Speicherchip und einen MP3-Player hat, ist es eine von mehreren Abspielstationen für die Musik, die ich auch irgendwo anders haben will. Welcher Kunde hat denn gesagt, dass er mit seinem Telefon Musik auswählen (!), kaufen und hören will?
  • Viertens erinnert mich das an die Zeit, als Tschibo & Co die ersten großen Erfolge mit Klamotten und Schlauchbooten hatte. Irgendwann hatte der restliche Einzehandel die Schnauze voll, hat “den Kaffeeröstern den Krieg erklärt” und Kaffee in der Boutique und zwischen Bücherstapeln verkauft. Tschibo verkauft immer noch Schlauchboot und Unterhosen - Kaffee beim Hosenhändler habe ich schon lange nicht gesehen.
  • Fünftens soll der Dienst noch vor dem iPhone kommen - aber die Hersteller Nokia und Samsung haben gerade erst angekündigt, dass sie nun mit der Produktion von Mobiltelefonen starten, die bereits mit Software für den Zugriff auf Musicstation ausgestattet sind. Wer weiß, wie lange die Produktionszyklen in dieser Branche sind und wie tot ein Dienst ist, der mit einer handgestrickten Beta-Version auf den Handys arbeiten muss, wird wohl sagen, dass das ein echt mieses Projektmanagement ist.

Will ich damit sagen, dass das iPhone, das am 29. Juni auf den Markt kommt, ein Erfolg wird und Steve Jobs die Weltmacht erlangt? Nö, darüber mache ich mir keine großen Gedanken. Apple hat mich immer wieder überrascht und ich werde hier lieber keine Prognose abgeben. ;-)

  1. 7 Responses to “Mobilfunkbranche gegen Apple”

  2. By Nicolas Kübler on Jun 16, 2007

    Ich glaube die Akzeptanz von Musik-abspielenden Handys hast du unterschätzt. Vielleicht ist es schon länger her, dass du in einer Großstadt mit den öffnetlichen Verkehrsmitteln gefahren bist, aber all die MP3 Player von früher sind verschwunden (Ausnahme iPOD) und dafür hört man jetzt die Handys.
    Früher hat man auch kein Handy wegen der Kamera gekauft, aber ich kenne einige Menschen, die gerne so ein integriertes Gerät mit MP3 und Kamera haben wollen. Am besten sollte man damit auch telefonieren können.

    In bin jetzt schon gespannt, was in 2-3 Jahren möglich ist. Theoretisch 4 Mal so viel (Moore’sches Gesetz)!

  3. By eric kubitz on Jun 16, 2007

    mmmmh. Ich bin sogar sehr davon überzeugt, dass verdammt viel Musik über Handy gehört wird. Macht Sinn, denn das Gerät ist ein gutes “Zeit-totschlag-Gerät” und immer mit dabei.
    Aber ich denke nicht, dass man darüber Musik KAUFT. Vor allem die Kids nicht mit ihrem schmalen Budget. Ich denke eher, dass die ihre Musik entweder illegal beschaffen oder so kaufen, dass sie die Musik dann auch per CD oder auf dem Rechner hören können und das Handy eine Musik-Abspielstation aber kein Kaufinstrument ist.
    Denn meine Erfahrungen mit Musikkauf via Handy lief auf richtig viel DRM raus. Und ich befürchte, dass wird “Musicstation” nicht ändern…
    P.s.: In München bin ich ausschließlich per öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs. Und da hängen schon eine Menge MP3-Player um die Hälse der Kids ;-)

  4. By Nicolas Kübler on Jun 19, 2007

    Musik kaufen ÜBER Handy, ok das macht einen kleinen Unterschied.
    Ich denke, dass dazu ein Wandel notwendig wäre, der z.B. durch das iPhone ausgelöst werden könnte. Wenn die Integration von iTunes in iPhone abgeschlossen wäre, dann könnte sich der Kunde dafür entscheiden seine Musik unterwegs zu kaufen und nicht erst zu warten, bis er zu Hause ist. Andere Provider würden dann auf den Zug bei anderen Handys aufspringen. Aber das Szenario ist nicht sehr realistisch, nach meiner Meinung.
    Wer jetzt Musik kauft und schon nicht in den “Plattenladen” geht, der will zumindest ein ähnliches Gefühl erleben, was man anhand der vielen Informationen in den heutigen online shops findet. Beim Handy hat man lediglich ein paar Zeilen, wenn ich das richtig vermute.

    Mit den heutigen SD Karten und Übertragungstechniken wie Bluetooth ist einfacher und schneller, das per PC zu bestellen und dann einfach zu übertragen. Und der Freund holt es sich dann zwar über das Handy, aber nicht online sondern Bluetooth zum anderen Handy :)

    Wer weiß, vielleicht kommt DRM auch für diese Musik auf dem Handy, dann könnte schlagartig ein Wandel einsetzen, vor allem weil die Handys immer komplexer werden und bald genauso viel wie der Desktop zu Hause bieten.

  5. By daniel on Apr 14, 2008

    Mich nervt das total, in allen öffentlichen Einrichtungen im Bus und der Bahn.
    Überall sind die Coolen Kids und habe irgend einen HipHop Mist laufen.
    Da fragt man sich was ist mit denen los, der eine hört ein Lied wo der Sänger seinen Vater beleidigt, der andere hört ein Lied in dem der Sänger die ganze Familie beleidigt.
    Ich finde in den Liedern keinen Sinn und werde Tag für Tag damit zu geknallt, ob ich will oder nicht. Ein Handy ist zum Telefonieren da.

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