WLI, LinguLab und messbare Texte

 Von Eric Kubitz, gespeichert in Content 

Ja, was soll ich dazu nun sagen? Einerseits bin ich nach dem gestrigen Vortrag von Saim Alkan (LinguLab) über seinen WLI und das dazugehörige Tool ganz begeistert. Andererseits wiederspricht das so mancher meiner Grundideen…

Zur Erklärung: Der WLI (Web-Lesbarkeitsindex) ist eine Erfindung von Saim Alkan, basiert auf wissenschaftlichen Erkentnissen der Sprachwissenschaft und will die Lesbarkeit (sowie die Verständlichkeit) von Texten im Internet beurteilen. Richtig gelesen, da guckt also eine Maschine meinen Text an und will mir danach sagen, ob der Text Lesbar ist. Ihr spürt meinen Widerstand?

Was dabei gemessen wird, lest ihr am besten bei LinguLab, ich kann aber ein paar “Messgrößen” nennen – die mir aber tatsächlich sofort einleuchten: Es geht unter anderem um

  • Worthäufigkeiten,
  • Satzlängen,
  • Zwischenüberschriften,
  • Modalverben,
  • Passivkonstruktionen

und ähnliche Faktoren mit denen man sich zunächst in der Schule, dann (wenn man das Glück hat) im Volontariat und später jeden Tag zu beschäftigen hat – wenn man Texte produziert.

Außerdem spielt auch die Google-Optimierung im WLI eine Rolle, hier versucht Alkan die Gratwanderung zwischen Keyword-Density und Lesbarkeit zu finden. Wir, als CONTENTmanufaktur, haben dafür ja ein recht simple Lösung: Die SEO-Optimierung messen wir mit unserem klugen Contentman – für die Verständlichkeit und Qualität der Texte sind richtige Menschen, echte Journalisten, zuständig.

Nun hat LinguLab diesen WLI nicht zu rein akademischen Zwecken entwickelt, sondern auch ein Mess-Tool dafür gebaut, den “LinguLab WLI”, bzw. den LinguLab Live. Dieser kann bis Jahresende kostenlos auf Einladung getestet werden (ich hoffe, dass ich bald einen Zugang erhalte, dann kann ich auch 10 meiner Leser hier einladen…). Das Tool kann danach für 800 Euro/Jahr lizenziert werden – pro Person, die es nutzt.

Und was bringt’s? Macht das Sinn? Darüber habe ich gestern einige Gespräche geführt, weil mich das Thema nicht los lässt. Euch werde ich natürlich ausführlicher darüber berichten, sobald ich mal einen Testzugang habe. Dann werde ich euch auch sagen können, ob dieser Text hier lesbar ist – oder nicht.

Zwei Dinge weiß ich aber jetzt schon:

  1. Die Unterstützung von Online-Redaktionen mit einem solchen Tool ist grunsätzlich nur positiv zu bewerten. Denn es gibt zu viel Textmüll da draußen, unlesbares Zeugs. Das liegt natürlich auch daran, dass die Redaktionen kleiner werden und der Output größer. Es bleibt keine Zeit mehr für die Textarbeit, die meinem CvD und mir damals immer so wenig Spaß gemacht hat – die mir aber unfassbar viel brachte. Also: Ja, gebt den Leuten da draußen ein Tool, das ihren Blick auf die Fehler lenkt. Und die Punkte die oben aufgezählt habe, sind dafür definitiv der richtige Einstieg.
  2. Gute Menschen braucht man trotzdem. Denn die Maschine formuliert das ja nicht um. Und aus einem langen, schrecklichen Satz zwei schöne kurze zu machen, das kann auch nicht jeder. Oder?

Auf jeden Fall ist Saim Alkan ein wirklich kompetenter und sehr netter Kollege und sein Thema ist definitiv wichtig und groß. Ich werde also weiter berichten…

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  • Danke Dir lieber Eric, schön wenn Jemand mit soviel Kompetenz dieses neue Tool checkt.
    Ich freue mich auf die Fortsetzung Deiner digitalen Notizen.
    :-) Grüße Ramona
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