Google macht einen Deal mit Presse-Agenturen – und die Branche tobt. Klar. Der Spiegel schäumt “Wie Google News-Redaktionen ausbeutet” und was macht Google? Auf Google News ist die beste Übersicht darüber zu finden:

Ist das erstens nicht eine ziemlich scheinheilige Debatte? Und ist das trotzdem, zweitens, ein völlig idiotischer Deal, der uns allen nicht gut tut?
Hier ein paar Punkte, über die ich in diesem Zusammenhang nachdenke:
- Wenn sich eine Redaktion von Google News ausgebeutet vorkommt, ist es sehr einfach, dies zu unterbinden. Aus Google “auszutreten” geht recht schnell – und bei Google News ist das noch leichter. Das Problem ist nur: Dann bekommt man den Traffic von Google auch nicht mehr – und den will auch der Spiegel ja schon haben. Damit damit wird die Aussage “ausbeuten” zu einer verlogene Aussage – denn es ist schlicht ein Deal.
- Dass die Agenturen ihre Meldungen an den Redaktionen vorbei an Google liefern und dann an mit AdSense-Brotkümeln verdienen wollen, ist – auch ohne Moraldebatte – meiner Meinung nach idiotisch. Erstens sollte man wohl kaum seinen Kunden in die Suppe spucken – und die Verlage sind nun mal die Kernkundschaft der Agenturen. Besonders blöd ist der Zeitpunkt, da sich die Verlage mit Google streiten. Und zweitens können die Agenturen doch wohl nicht wirklich damit rechnen, mit einem AdSense-Sharing ein vernünftiges Businessmodell aufzusetzen. Da scheint Google eine Old-Economy-Truppe in einen digitalen Rausch geredet zu haben.
- Sehr richtig schreibt der Spiegel: “Ohne Redaktionen ist Agenturmaterial nur eine riesige, chaotische Ansammlung von Meldungen. Daran ändert auch Google News nichts – auch wenn man diesen Eindruck bekommen könnte.” Und das ist echt ein Problem – und wäre für der Kern der Debatte. Sehr viele Menschen glauben tatsächlich, dass das, was über eine Suchmaschine gefunden wird, die Qualität einer journalistschen Zusammenstellung hat. Mit anderen Worten: Die Leistung, die Nachrichtenredaktionen bei der Navigation durch die Nachrichtenflut bringen, wird gar nicht gesehen.
Ich habe 60 Artikel über ein Thema in einer Reihenfolge, lese zwei/drei davon und fühle mich informierter als nach einem Artikel auf einem Nachrichtenportal. Aber das ist natürlich ein Missverständnis.
Und am Ende hat niemand etwas davon, wenn jeder seine eingehenden Informationen komplette selber sammeln muss und sich die professionellen Nachrichten-Filterer-und-Zusammenfasser, nämlich Journalisten, mehr um die Optimierung auf AdWords als auf die Navigation durch das aktuelle Geschehen kümmern.
Und was will ich damit sagen?
Erstens bin ich der Meinung, dass die Debatte wie sie geführt wird, scheinheilig ist und deshalb auch versanden wird. Zweitens halte ich diese Entwicklung den Teil einer wirklich miesen Gesamtentwicklung in dem die Agenturen ein ganz schlechtes Bild abgeben – die Verlage aber auch.
Mein Vorschlag wäre, dass – vor allem – die deutschen Verlage mal *miteinander* reden, sich über ihr Kerngeschäft (“Content is King”) Gedanken machen, darüber auch mit Suchmaschinen reden und bei der Navigation durch die Nachrichtenflut besser und vor allem moderner werden. Dann haben sie – meiner Meinung nach – nicht nur eine Chance sondern eine recht goldene Zukunft.
Und dann hat da Stefan Niggemeier dazu auch noch eine interessante Aufdeckung gemacht
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