Die USA sind in vielerlei Hinsicht die Trendsetter, dort zeichnen sich gesellschaftliche Entwicklungen einige Jahre früher ab als bei uns. Das Zeitungssterben, das bei uns vorerst die Magazine betrifft, greift in Übersee auch bei den Tageszeitungen um sich. Der Boston Globe zum Beispiel steht nach 137 Jahren vor dem Aus.
Der New Yorker Medienblogger und Journalismusprofessor Jeff Jarvis (“What would Google do?”) bezeichnet im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE Print-Produkte als ein “aussterbendes Geschäftsmodell”. Hier ein Beispiel für eine mögliche Alternative, den Journalismus vor dem Dahinscheiden zu retten. Auf der amerikanischen Plattform www.spot.us gibt es Artikel zu kaufen. Man kann einen Betrag spenden und damit erreichen, dass ein vorgegebenes Thema recherchiert, geschrieben und publiziert wird. Hinter dem Portal steht eine Stiftung namens “Media Change” und es soll ein “non-profit project” sein.
Man stelle sich folgendes mögliches Zukunfts-Szenario vor: Die Süddeutsche Zeitung ist pleite und versteigert auf ihrer Webseite die Themen. Die Bürger werden “Sponsoren” von einzelnen Beiträgen und entscheiden so darüber, was publiziert wird. Huh, komische Vorstellung. Auch wenn ich die wortgewaltigen Reporter wie Willi Winkler, der sich ja gerade so schön blamiert hat, manchmal ein bisschen nervig finde, so freue ich mich doch jeden Tag über meine SZ. Ich konsumiere mit Vergnügen die Früchte der Arbeit, die sich die SZ-Leute machen, habe mich an die Autoren gewöhnt und Lieblinge unter ihnen erkoren. Einen Schock habe ich schon vor vielen Jahren erlitten, als “Die Woche” eingestellt wurde. Bitte – tu mir das nicht an, liebe SZ, ich brauche dich!
P.S. Ich bin eh kein Freund vom digitalen Zeitunglesen. Soll ich mir dann ein Laptop ins Klo legen?
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