Dalai Lama: “Führen, Gestalten, Bewegen”
Mmmmh. Auf jeden Fall will ich euch das neue Buch des Dalai Lama “Führen, Gestalten, Bewegen“(bei Amazon) vorstellen - und auch empfehlen. Ich bin damit etwas zögerlich, weil ich befürchte, dass ein solches Buch für die schnelle Internet-Welt ein wenig zu viel Zeit benötigt.
Klar: Durchlesen geht schnell - aber der Dalai Lama hat nunmal sehr tiefe Gedanken und entwickelt diese aus seiner Sicht als Mönch und Chef der tibetischen Gelupa-Buddhisten. Und wie modern er und seine Leute auch mittlerweile leben - ihr Hintergrund sind nun mal die tibetischen Hochebenen, Klöster und eine unfassbar brutale Vertreibungs-Historie aus dem eigenen Land.
Ja, er hat sich für das Buch (Untertitel: Werte und Weisheit für eine globalisierte Welt) Hilfe geholt vom 74jährigen Managementberater Laurens van den Muyzenberg und redet deshalb auf unserer Aufgenhöhe. Aber trotzdem: Wer sich mit buddhistischen Weisheiten konfrontiert, muss sich auch darauf einlassen und auch mal die eigenen Muster mal vergessen. Und man muss sich auch von der Vorstellung lösen, dass immer die Dinge da draußen (der Chef, die Globalisierung, die hohen Steuern) schuld am eigenen Leid sind. Und genau das kostet einfach mehr Zeit, als das Lesen eines Buches. Und wer dazu nicht bereit ist, braucht auch ein Buch des Dalai Lama nicht zu lesen.
Wie auch immer: Einige Vorabseiten findet ihr bei der Wiwo und alle, die sich mal Gedanken darüber machen wollen, wie menschlich Wirtschaft eigentlich sein sollte/könnte, erhalten sicher viele Inspirationen. Denn bei allen tiefen Gedanken und komplexen Vorstellungen ist der Buddhismus doch immer auch einfach, handhabbar und unfassbar praktisch orientiert. Ein kleiner Auszug:
“Führungspersönlichkeiten, die Vertrauen erwecken, müssen sorgfältig darauf achten, dass sie auch das richtige Vertrauen wachrufen. Sie sollten ehrlich sein und keinen blinden Glauben verlangen. In der buddhistischen Tradition halten wir es für unabdingbar, dass Vertrauen mit Weisheit einhergeht.”
Mit anderen Worten: Es funktioniert eh nicht, dass man seinen Angestellten befiehlt, Vertrauen zu haben. Man muss schon selber etwas dafür tun - und “Klug sein” ist sicher ein guter Anfang.
Wie gesagt: Ein wenig zögere ich schon, das Buch einfach so zu empfehlen. Was ich aber allen empfehlen kann, die sich mit dem Buddhismus (nicht nur im Beruf sondern auch im richtigen Leben) beschäftigen möchten, ist das Buch “Wie die Dinge sind” von Lama Ole Nydahl, einem westlichen Lehrer der den tibetischen Buddhismus der Karma Kagyü-Linie vertritt und, ja, einfach auch unsere Sprache spricht.